Zum Thema: Kirchensteuer

Zahlen Sie eigentlich Kirchensteuer? Und wenn ja, tun Sie das bewusst? Oder gar: Tun Sie das gerne?

Vielen Menschen begegnet Kirche plötzlich auf der ersten (oder irgendeiner späteren) Gehaltsabrechnung. Mitglieder der Kirche zahlen monatlich 9% der Lohn- bzw. Einkommensteuer als Kirchensteuer. Die Höhe hängt also vom Einkommen ab (und es gibt je nach Lebensumständen die Möglichkeit, die Höhe der Kirchensteuer durch Kappung oder Teilerlass zu reduzieren). Einige Menschen wählen den Weg des Kirchenaustritts, um die Steuer ganz zu sparen. Oder sind es andere Motive? Unsere Fragebögen, die wir bei Kirchenaustritten in der Gemeinde zusenden, bleiben leider meist unbeantwortet.

Als Gemeinde möchten wir uns darum einmal an dieser Stelle bei allen, die Kirchensteuer zahlen, herzlich bedanken, denn: Sie leisten einen ganz wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft und Ihre Kirchensteuer bewirkt Großartiges! Die Kirche kann damit planen und auch langfristig Projekte unterstützen. Von 100 Euro Kirchensteuer fließen zum Beispiel 36 Euro in die Seelsorge und Lebensbegleitung vor Ort sowie in Gottesdienste. Das ist Ihre Gemeinde „vor Ort“, gleich „um die Ecke“, in der Nachbarschaftsprojekte organisiert werden (Besuchsdienste, Einkaufshilfe nicht nur in Corona-Zeiten, gesellige Veranstaltungen verschiedenster Art). Weitere 20 Euro davon investiert die Kirche in Kinder, Jugend und Familie, also zum Beispiel in Kindergärten, vielfältige Angebote der Jugendarbeit und Kinderbetreuung, Ferienfreizeiten und Konfi-Gruppen.

Aber Kirchensteuer bewirkt noch mehr: Im Mittelmeer rettet ein Schiff Flüchtlinge, die in Gefahr geraten sind. Die Kirche unterstützt Altenheime, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft. Es gibt Beratungsangebote für vielfältige Lebenssituationen, die Kirche engagiert sich für Kirchenmusik und kulturelle Veranstaltungen. Die Diakonie hilft gebrechlichen Menschen, Überschuldeten, Wohnungslosen, Inhaftierten und Kranken, Kindern und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten, Familien in Krisensituationen und Suchtkranken, insgesamt Menschen, die heute oft wenig beachtet werden und kaum Fürsprecher haben.

Manche Menschen mögen dazu neigen, das Thema „Kirchensteuer“ aus der Kosten-Nutzen-Perspektive zu betrachten: So viel Geld für einmal im Leben kirchlich heiraten, den jährlichen Weihnachtsgottesdienst und pro Familie 
1,4 Taufen ausgeben? Und solange genügend andere die Kirchensteuer zahlen, funktioniert es doch auch so!

Das stimmt – und auch wieder nicht: Denn immer mehr Menschen denken so, und die Gemeinden haben schon heute mit einem großen Kostendruck zu kämpfen, müssen Einschnitte machen und Ausgaben empfindlich reduzieren. Sollte es gar zur Abschaffung der Kirchensteuer kommen (was ja bereits einige fordern), müssen sich die Gemeinden nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen – und sehr viel stärker sparen.

Vielleicht werden ja dann zwischen Predigt und Abendmahl noch schnell Werbe-Flyer eines Sponsors im Gottesdienst verteilt. Der Weihnachtsgottesdienst findet auch nicht mehr in einer Kirche, sondern vielleicht in einer angemieteten Sporthalle statt, weil die Kirche aus Kostengründen veräußert werden musste. Ihre kirchliche Trauung findet dann gleich im heimischen Wohnzimmer statt – natürlich nur per Videochat mit dem Pfarrer. Im Trauerfall übernimmt ein von Ihnen gebuchter Trauerredner die Zeremonie. Und für ein spontanes Seelsorge-Gespräch mit einem (Ihnen unbekannten) „Bereitschafts-Pfarrer“ müssen Sie zwei Wochen vorher einen Termin vereinbaren. 

Die Kirchensteuer ist ein Beispiel dafür, wie viele Menschen mit einzelnen Beiträgen Großes bewirken können  – das Ausbleiben vieler kleiner Beiträge aber eben auch schwerwiegende Folgen hat.

 

Grafik zur Kirchensteuerverteilung

AnhangGröße
PDF Icon kirchensteuer.pdf365.61 KB