Andacht

Liebe Gemeinde,

Pfarrerin Laura Bowinkelmannmit großen Schritten gehen wir auf das Ende des Kirchenjahres und somit auf den Reformationstag am 31.10. zu. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen dieses Mal keine Bibelstelle mit auf den Weg geben, sondern einen Teil des Heidelberger Katechismus. In der reformierten Bekenntnisschrift wird die Frage gestellt, was uns die Himmelfahrt Christi nützt. Die Antwort ist in drei Abschnitte aufgeteilt, die gut in diese Jahreszeit passen:

(1) „Er ist im Himmel / vor dem Angesicht seines Vaters / unser Fürsprecher.“ 

Unsere Welt ist im Ungleichgewicht – unbestritten. Im Angesicht von brennenden Wäldern und überfluteten Städten bin ich gerade an Erntedank sprachlos. Und hoffe auf Gottes Wort und Fürsprache.

(2) „Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus / im Himmel die Gewissheit, 
      dass er als das Haupt uns, seine Glieder, / auch zu sich nehmen wird.“ 

Was für ein Zuspruch im Angesicht des kommenden Ewigkeitssonntages. Wir können getröstet sein, auch wenn es uns manches Mal bei all der Trauer und Wut, Fassungslosigkeit und Angst nicht so vorkommt. Kein Mensch – verstorben oder verblieben –, keine Geschichte wird vergessen, alles findet bei Jesus seinen Raum. Für immer.

(3) „Er, sitzend zur Rechten Gottes, / sendet seinen Geist zu uns, 
      der uns die Kraft gibt, / zu suchen, was droben ist, 
      und nicht das, was auf Erden gilt.“ 

Dieses Jahr war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Viele Menschen haben manches begehrt, was ihnen nicht zusteht. Russland erhebt Anspruch auf Gebiete der Ukraine, China zählt gleich den ganzen Inselstaat Taiwan zu seinem Machtgebiet. Es bedeutet Kraft, sich nicht auf das zu stürzen, was man auf Erden begehrt, sondern sich einem höheren Ziel zuzuwenden. Am Buß-und Bettag besteht eine Chance zur Rückschau darauf, wo auch ich Begehrlichkeiten verspürt habe, und eine Neuausrichtung auf Gott.

Vater, Sohn und Heiliger Geist, leite und begleite uns in die dunkler werdende Jahreszeit.

Ihre
Pfarrerin Laura Bowinkelmann