Andacht

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Psalm 139, 5

 

Pfarrerin Laura BowinkelmannLiebe Gemeinde,

mein Großvater hatte sich damals entschieden, für seinen Ruhestand in die alte Heimat zurückzuziehen. Da er in Mittegroßefehn geboren wurde, waren die kommenden Ferien für seine Enkelkinder geprägt von der Nordsee, Kutterfahrten und Krabbenverkosten. Und von bunten Strandkörben.

Diese Strandkörbe wurden für mich zum Inbegriff des Sommers. Sie waren immer da – alle Jahre wieder. 
Regenbogenbunt standen sie verteilt im Sand. Manchmal mussten wir ein bisschen suchen, fanden aber immer einen freien. Erst einmal ankommen und reinsetzen. Sie waren kleine Rückzugsorte im Angesicht des weiten Strandes und des scheinbar unendlichen Meeres. Sie schützten mich vor Wind, Sand, Sonne und den Blicken der Anderen, wenn ich das brauchte. Aber sie schlossen mich auch nicht ein. Wenn ich wollte, und mit ein bisschen Hilfe, ließen sie sich drehen. Hin zum Meer, zur Sonne und zu meinem Nebenmenschen. Die Körbe luden ein zum Ausruhen, Dösen und Lesen, aber auch zum gemeinsamen Spielen und Essen. 

Wenn ich darüber nachdenke, werden die Strandkörbe immer mehr zum Sinnbild für den obenstehenden Vers. Von fünf Seiten umgeben und behütet. Nicht einengend, sondern sicher und frei. Vielleicht sollte ich demnächst mal wieder an diesen Ort zurückkehren.

Und egal, wer oder was dieses Gefühl in Ihnen auslöst, ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Sommermonaten viele Möglichkeiten haben, dies nachzuspüren.

Ihre
Pfarrerin Laura Bowinkelmann