Andacht

Liebe Gemeindemitglieder,Superintenden Wolfram Syben

wie sehr ich mich auf etwas freue, hängt ganz direkt davon ab, was mich dort erwartet: Steht ein Besuch von unseren erwachsenen Kindern an, die schon seit Längerem nicht mehr bei uns in Moers wohnen, ist meine Vorfreude groß. Mein Herz ist leicht, meine Stimmung aufgeräumt und heiter.

Umgekehrt gilt es allerdings genauso: Erwarten wir Unangenehmes, Schwieriges, Anstrengendes, Schmerzhaftes oder einen bedrohlichen Ausgang von Bevorstehendem (hierfür mögen Sie in Gedanken Passendes eintragen von Zahnarztbesuch bis Führerscheinprüfung und von Bewerbungsgespräch über Klassenarbeit/Klausur bis zur Mitteilung der Ergebnisse einer ärztlichen Untersuchung), dann ist es andersherum: Das Herz wird schwer und der Hals eng, der Mut wird klein, und das vor uns Liegende drückt uns im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen.

In beiden Fällen ist es nun so, dass wir von dem, was eigentlich noch in der Zukunft liegt, schon in unserer Gegenwart beeinflusst und bestimmt werden.

Sehr, sehr eindrücklich erleben wir dies, wenn werdende Eltern ein Kind „erwarten“, und wir sagen dann, dass die werdende Mutter „in guter Hoffnung“ ist. Das ist ein wunderbarer Ausdruck, der viel von dem aufnimmt, wie sehr das, was erst noch geschehen wird, schon jetzt die Gegenwart positiv durchdringt und bestimmt. So als kommt mit der guten Hoffnung ein besonderer Glanz schon heute in unsere Tage hinein, der unser Leben zum Leuchten bringt.

Mit der Adventszeit treten wir ebenso in eine Zeit der guten Hoffnung hinein:

Es ist die Zeit der guten Hoffnung für Maria, deren Schwangerschaft sich dem Ende zuneigt.

Es ist die Zeit der guten Hoffnung für uns, in der wir auf die Geburt des Erlösers, auf das Weihnachtsfest hinleben.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie vom Glanz der Weihnacht – sozusagen „aus der Zukunft heraus“ – schon in diesen Tagen des Advents erreicht werden. Weihnachten liegt noch vor uns. Möge es zugleich schon auf uns zuleuchten und unsere gegenwärtigen Tage bereits jetzt in das ermutigende, tröstende und versöhnliche Licht dessen stellen, worauf wir zugehen!

Ihr Wolfram Syben
Superintendent