Eine kleine Ostergeschichte

„Wie cool das war, Opa!“ Gibt es eine schönere Rückmeldung, wenn man mit seinen Enkeln auf der Suche nach sinnvoller Beschäftigung an einem dunklen Januartag einen Nachmittag am Rhein verbracht hat? Lockdown, Kindergarten zu, und damit Verlust von fördern und gefordert werden, dazu noch der drohende Nieselregen!

Aber da muss man als Niederrheiner durch. Also ab in die Rheinwiesen, wo von früheren Spaziergängen die umgestürzten Bäume in Erinnerung geblieben sind. Ohne Umschweife ergreifen die Kinder Besitz von dem fast unheimlich wirkenden Ensemble von umgestürzten Stämmen und verwinkelten Ästen und testen sich aus: Wie weit kann ich klettern? Wann muss Opa helfen? Rindenstücke und Zweige werden schnell als brauchbare Baustoffe für eine Unterkunft für Mäuse, Käfer oder den gerade entdeckten Regenwurm bestimmt. Zwischendurch noch zum Steinewerfen ans Rheinufer – und im Flug sind zweieinhalb Stunden vergangen, die Overalls reif für die Waschmaschine und drei Kinder erfüllt mit neuen Spiel- und Entdeckererfahrungen. Nicht nur körperlichen, sondern auch geistigen.

„Warum liegt der Baum hier?“, fragt die 6-Jährige. Die spontane Antwort „Weil er tot ist“ provoziert ein spannendes Frage-Antwort-Gespräch über das Leben, das Sterben, die Natur. Dem Hinweis des religiös denkenden Erwachsenen, dass in jedem Sterben auch wieder neues Leben möglich ist, wofür der liebe Gott schon sorgt, wird mit der Feststellung, die keinen Widerspruch zulässt, entgegnet: „Dafür sorgt doch Mutter Natur, Opa!“ Der Ton schwingt zwischen Enttäuschung über das Nichtwissen des Erwachsenen und Zufriedenheit darüber, dass das Ergebnis der Umwelterziehung im Kindergarten auch angebracht werden kann. Und der Opa staunt.

Nur eine kleine Szene in Pandemiezeiten, aber eine schöne, die vielleicht nur für ein Schmunzeln sorgt, die aber vielleicht auch anregen kann, etwas zu entdecken, was vor der (Scherpenberger) Haustür liegt. Und eigentlich ist es auch eine „coole“ Ostergeschichte.

Wolfgang Geßner